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Auff Herrn J. Jägers Haußfrauen Seel=Absterben

Beschreibung:  Ein Gedicht von Sibylla Schwarz
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Auff Herrn J. Jägers Haußfrauen Seel=Absterben


OB zwar die falschen Zungen /
Die auf mich zu gedrungen /
Es schon so weit gebracht /
Das meiner Leyer Gaben
Ein zeitlang sind vergraben /
Und krafftloß schier gemacht.
So kan ich doch nicht lassen /
Die Feder itzt zu fassen /
Es werde / wie es woll;
Ach schad / daß die der Erden
So muß zur Beute werden /
Die erst recht leben sol!
Die Wangen sind verblichen /
Der warme Geist entwichen /
Der Stirne Fenster zu /
Kein Glidt ist / das sich räget /
Kein Puls der itzundt schläget /
Sie ruht dielange Ruh.
Ich hör / es sey groß Leiden /
Sich lieben und sich scheiden /
Drümb geht mich euwre Pein /
Herr Jäger selbst zu hertzen /
Eß krenckt mich euwer schmertzen /
Gerad / als wehr er mein.
Mich deucht / ich seh euch klagen /
Mich deucht / ich hör euch sagen:
Wo bleibt / wo bleibt mein Hort?
Wie sehr mögt ihr euch krencken?
Wie offt mögt ihr gedencken /
Und sprächen diese Wort:
Da pflag mein Licht zustehen /
Dort pflag sie bey mir gehen /
Hie stund sie bey der Thür /
Bald saß sie bey mir nieder /
Dan ging sie hin und wieder /
Nun kombt sie nicht herführ.
Das Hauß ist mirzu kleine /
Thu nichts / als daß ich weine /
Geh nicht mehr bey den Tisch;
Bey mir ist Tranck und Essen /
Und alle Lust vergessen /
Mir schmeckt nicht Fleisch noch Fisch.
Ach könnt ich dich verbannen /
Du Vater der Tyrannen /
Du Mutter vieler Noht!
Der Schellen kläglich klingen
Kanstu zu wege bringen /
Du hungeriger Tod!
Doch last euch gleichwol trösten /
Ob wohl die Noth am grösten
Eß kompt gewiß ein Tach /
An dem wir wieder kommen
Zu den'n / die uns genommen /
Wir folgen schleunigst nach.
Wohin ich mich auch wende /
Da naht es sich zum Ende /
Da frist der Krieg so viel /
Da liegen so viel Krancken /
Die in des Lebens Schrancken
Gelanget sind zum Ziel.
Ergebt euch Gottes Willen!
Dem Krancken sind die Pillen
Zwar bitter aber guth;
Das Creutz ist schwer zu führen /
Doch gleichwol kan man spüren /
Daß es uns nötig thut.
Drümb stopft den quel der Zehren
(Weil sie der noth nicht wehren)
Nur fein gedultig zu /
Sie weiß von keiner Quale;
Ist in des Himmels Sahle /
Undt lebt in stoltzer Ruh.
  
Umgang mit Lyrik in der Sekundarstufe I (Broschiert)
von Kaspar H. Spinner
Siehe auch:
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Lyrik im Deutschunterricht: Grundlagen - Methoden...
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