 | |
Gewöhnungsbedürftig und leider nur mäßig
• • • • • (bewertet mit 3 von 5 Punkten)
Elaine Metcliffe ist eine pummelige Enddreißigerin mit übersteigerter Libido, der ihr Ehemann leider nur wenig und das auch noch unbefriedigend entgegenbringt. Während ihres regelmäßigen Masturbierens gerät sie plötzlich auf Zeitreise (also bitte!) und landet vom heutigen Chicago im viktorianischen England. Dort findet sie sich wieder im Körper der jungen, schlanken und schönen Morrigan und im Ehebett mit deren betuchten Gemahl Charles, Lord Arlcotte. Wie Elaine schon recht bald feststellt, hat Morrigan Probleme, den ehelichen Pflichten im Bett ihres potenten Ehemannes nachzukommen. Für Elaine, die sich ein Leben lang nichts sehnlicher als ein erfülltes Liebesleben wünschte, ein Glückstreffer. Nur zu gerne nimmt sie Morrigans Platz ein und Charles ist ganz erfreut über seine nach einjähriger Eiszeit plötzlich aufgetaute Gattin. Wie es Elaine sonst noch ergeht im viktorianischen Zeitalter, wird dem Leser vor allem anhand ihrer hygienischen Empfindungen im Allgemeinen und während ihrer Periode im Besonderen mitgeteilt. Dies fand ich ziemlich überflüssig und zum Teil auch geschmacklos. Irgendwann tauchen noch Morrigans scheußliche Verwandte auf und Elaine versucht, dem Geheimnis ihrer Zeitreise und Morrigans eigentlichem Verbleib auf die Spur zu kommen. Doch insgesamt passiert in diesem Roman nicht viel und schon gar nichts Spektakuläres. Am Ende versucht Robin Schone sich mit fragwürdigen druidischen Praktiken zu erklären, was dem ganzen dann die Krone aufsetzt.
Nach drei fabelhaften Romanen liegt hiermit nun Robin Schones Debütroman vor. Von ihren Stärken, dem Faible fürs Viktorianische, dem ausgeprägten Hang zur Dramatik und der Fähigkeit, die Handlung als Kammerspiel zu inszenieren, ist noch nicht viel zu spüren. Leider misslingt es, dem Roman mit dem Aspekt einer Zeitreise zeitgenössische Impulse zu verleihen oder die Hauptakteurin Elaine mit Humor auszustatten. Alle Figuren sind viel zu blaß, bleiben außerdem oberflächlich und klischeehaft. Ich vermisste noch jene verzweifelte Zuneigung, die sonst zwischen den Hauptprotagonisten herrscht, ebenso wie die düstere und unheimliche Atmosphäre, die Robin Schone später in ihren Plots erschafft. Auch die erotischen Szenen, sonst intensiv und erlesen, reichen allenfalls an den Durchschnitt des Genres heran.
Glücklicherweise findet Robin Schone mit der Zeit einen unvergleichlichen Stil, mit dem sie erotische Themen in fast schon literarischer Qualität umsetzt, auch wenn das mit diesem Buch noch nicht so recht gelingt.
Eine Rezension von talia97 Thüringen
vom 14. August 2005
|