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Annae Ovenae Hoyers Rath

Description:  Poem by Anna Ovena Hoyers
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deutsch
  
ISBN: 3050044349   ISBN: 3050044349   ISBN: 3050044349   ISBN: 3050044349 
 
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Annae Ovenae Hoyers Rath

Den sie auß gutem Hertzen hat
Allen Alten Wittwen gegeben /
Darnach zuleben;
Uber diese die widerstreben /
Wird unglück schweben /
Diß mercket eben.
Alte Bleib Allein /
Stell das Tantzen ein /
Laß die Männer seyn /
Hüte dich fürs Freyn /
So du wilt gedeyn.
Halt dich still und rein.
Acht den Rath nicht klein /
Gut mit dir ichs meyn.
Ihr Alten Weiber höret her;
Was ich euch rath / nemt an die Lehr /
Begehret keine Männer mehr /
Sonst stürtzet ihr euch in beschwer
Und wird euch endlich rewen sehr.
Ein Wittwe Alt an Jahren
Soll sich nicht wider pahren /
Und im Ehelichen leben /
Beym Mann mehr wider geben;
Sondern in Einsamkeit
Zubringen ihre zeit /
Und in der furcht des Herren /
Nach Sanct Pauli begehren /
Die Junge Frawen lehren /
Ihre Ehe=Männer ehren /
Kinder erziehn und nehren /
Des Hauses wolfart mehren /
Desselben schaden wehren /
Alles zum besten kehren.
So wird Gott Gnad bescheren.
Das wünsch trewlich
Von Hertzen ich
Anna Ovena Hoyers.

Ihr Wittwen über funfftzig Jahr
Haltet euch still / seyt fein Ehrbar /
Liebet das Einsam leben:
Bleibet als Gott euch hat gesetzt /
In seiner Liebe euch ergetzt:
Das Hertz sollt ihr ihm geben /
Und nicht mehr treten an den tantz /
Mit Heintz / Kuntz / Hannß / Fritz oder Frantz.
Sie meynens nicht so trewlich
Wie manches Weib sich bildet ein /
Lieben nur ewer gelt allein;
Ohn das seyt ihr abschewlich.
Ich weiß es / mercket was ich sag /
Ihr seyt den Männern nur ein plag /
Sie können euch nicht lieben.
Ob sie sich freundtlich stellen schon /
Ist doch das Hertz sehr weit davon /
Sie müssen sich betrüben.
Mit seufftzen sie zu bette gehn /
In trauren widerumb auffstehn;
Sehn euch scheel an mit schmertzen.
Das Alte blut macht kalt den muth /
Nichts ist annehmlich was ihr thut /
Kein schertzen geht zu hertzen.
Trawt mir ich zeig die warheit an /
Ein altes Weib bey einem mann
Kan nimmermehr gedeyen.
Exempel hab ich viel gesehn /
Wie wunderbar es pflegt zugehn /
Wann alte Frawen freyen.
Man hats erfahrn bey den Nachbarn /
Wie sie geschleppt sind bey den Harn /
In ihren Alten Tagen:
Daß ich gedacht: O armes Weib /
Wie wird tractirt dein Alter Leib /
Du magst von ungluck sagen /
Hast gethan einen bösen kauff /
Da du dir diesen schlag darauff /
Zum Ehmann hast genommen.
Warlich es kan nicht wol gedey'n /
Wann Alte Weiber wider frey'n;
Nachrewen pflegt zukommen.
Wie mancher Mann fällt in Ehbruch
Darüber in Gottes zorn und fluch /
Ins Richters hand darneben?
Liebe Fraw Alte saget doch /
Wo kompt diß her? man fraget noch:
Habt ihr kein ursach geben?
Ja freylich / ihr seyt schuldig dran /
Daß euch der Mann nicht lieben kan:
Dann es ist nichts zufinden
An ewerm leib und Angesicht
Das ihn zur lieb bewegen mücht /
Er seh' vorn oder hinden;
Beym Alten Weib wird keiner frisch /
Es sey im Bett od'r an dem Tisch /
Bedencket diß ihr Alten.
Im Ehstand ihr euch gar nicht schickt /
Kein Mann wird mehr durch euch erquickt /
Wer kan's mit Alten halten?
Sie sind der Männer Fegefeur /
Ihr gelt kaufft mancher viel zu theur /
Wer' gern davon frey wider:
Spricht: O daß ich ein Junge hett /
Bey der möcht ich im Ehebett /
Außstrecken meine glieder.
Sehr thörlich hab' gehandelt ich /
Da ich ließ also binden mich /
Vmbs losen geldes willen.
O phuy der schand / wer löst den band?
Ist dann niemand im gantzen land /
Der mir mein leit kan stillen?
Gott stürtzt den Pfaffen in die Hell /
Der mich bandt an das Alte fell /
Er hat gehandelt trüglich:
Daß ihm ankomb die schwere seuch.
Er sprach: Wachset und mehret euch /
Wust doch daß nicht war müglich.
Ach leider ach / es ist geschehn /
Geschehn ding' nicht zu endern stehn /
Hin ist mein freud und lachen:
Zuseufftzen wird mein hertz beweg't /
So offt ich seh' daß sie sich reg't;
Ach / ach / wie soll ichs machen?
Wer hilffet mir? wer steht mir bey?
Wer mach't von ihr mich wieder frey?
Wer kan mein leiden enden?
Niemand ohn Gott; Er helff auß noth /
Ihn bitt' ich / daß Er woll den todt
Zu meiner Alten senden.
Die Red hört man und noch viel mehr /
O liebe Alt' so gehts daher /
Tode wunschet er euch täglich;
Verfluchet beid die stund und zeit /
In welcher er euch hat gefreyt /
Nichts ist an euch behäglich:
Und diß / so noch das ärgste ist /
Das ihm benimbt all lieb und lust /
Er kan nicht Vater werden;
Bekombt von euch kein Kinderlein /
So lang ihr lebet / muß er seyn
Ein dürrer Baum auf Erden.
Ew'r Magnet hat sein krafft verlohrn /
Kein Kindt wird mehr auß euch geborn /
Das bringt dem hertzen Schmertzen /
Vnd thut ihm weh / wann er muß sehn
Ins Nachbarn Hause Kinder gehn /
Die mit dem Vater schertzen:
Wann Sie als Pfläntzlein Jung und frisch /
Sich mit der Mutter an den Tisch
Zu seiner seiten setzen /
Sieht sie des Alten Weibes Mann /
Sehr traurig an / und spricht alsdann:
Was soll doch mich ergetzen?
Ich hab im hauß kein zeitvertreib /
Muß einsam seyn beym Alten Weib /
Das mich nicht kan erfrewen!
O daß ich so verheyrath bin /
Wie geht mein Edle zeit dahin /
Mein tag wirds mich gerewen!
Also ihr alten Weiber seht /
Was auß ewer heyrath entsteht /
Stellet doch ab diß klagen /
Bleibt ungefreyt in reinigkeit /
So macht ihr euch kein hertzenleit /
Den Männern auch kein plagen.
Wollt ihr daß es euch wol soll gehn /
So lasst das freyen nur anstehn /
Befehlt es Jungen Frawen;
Denn dar ist noch ja hoffnung an;
Ein Junge Fraw kan ihrem Mann
Die Welt noch helffen bawen.
Ein Altes Weib dient nirgends zu /
Dann fein zu sitzen in der ruh' /
Oder den Kindes=kindern
Auffwarten und behülfflich seyn /
Sie wiegen / winden / halten rein /
Vnd wischen ihren hindern:
Das thut weil Gott euch kräffte günnt /
Vnd was ihr sonst im hause könnt /
Mit Nehen oder Spinnen.
Trawt Gott und betet in der noth /
So werdet ihr wol ewer broth
Ohn einen Mann gewinnen.
Gott nimmt sich der Elenden an /
Ist aller frommen Wittwen Mann /
Ein Vatter ihrer Kinder:
Weiß was ein ieder nötig hat /
Gibt allen Notturfft und Vorrath /
Sein schatz wird nimmer minder.
Seht nur auff ihn / sonst auff niemand /
Nem't alles an von seiner hand /
Seyt danckbar seiner gaben;
Vnd willig so gern Arm als Reich /
Es sey euch gleich Gott speise euch
Durch Engel oder Raben.
Ist übrig / theilt mit dem der bitt /
Nach aller frommen Christen sitt;
Habt ihr nicht viel / gebt weinig.
Die Jungen Leute wollet lehrn /
Gott fürchten / und die Alten ehrn /
Lebt mit den Nachbarn einig;
In demut / zucht und frommigkeit /
Der Jungen Frawen Spiegel seyt /
Geht ihnen vor in Tugend;
Lehret sie ihre Männer ehrn /
Daß Hauß regiern / die wolfahrt mehrn /
Vnd wol erziehn die Jugend.
Ein jeder lern sein Lection,
So steht im Hause alles schon /
Ist billig hoch zu preisen.
Darumb alß Wittwen auch gebührt /
Einen Christlichen wandel führt /
Mit Lehrn und Vnterweisen.
In der Armut gedüldig seyt /
Frölich in widerwertigkeit /
Vnd lasset euch nicht grawen /
Hoffet das best / und glaubet fest /
Daß Gott in noth nicht stecken lest
Die seiner zusag trawen.
So euch zufällt reichthumb und gelt /
Nach art der Welt euch dann nicht stellt /
Euch darin zu ergetzen:
Sondern wie rechte Christen thut /
Die auff vergänglich / irdisch gut
Hertz / sinn und muth nicht setzen.
In Gottesfreud die zeit vertreibt /
Leset und betet / singt und schreibt;
Gebt gut Exempel allen:
Könnt ihr nicht lesen / höret zu /
Vnd Meditiret in der ruh /
Daran hat Gott gefallen.
Sein lob wird dadurch außgebreit!
Vnd seines Nahmens herrlichkeit
Gebaw't an allen Orten;
Helffet dazu stets / wo ihr künnt /
Vnd thut fleiß daß ihr viel gewinnt /
Mit Wercken und mit Worten.
Im guten leben wandelt fort /
Richtt ewer thun nach Gottes Wort /
Geht fleißig mit in Tempel;
Betrachtet was da wird geredt /
Vnd haltet euch stets am Gebeth /
Thut nach Hannae Exempel:
Die ihr zeit in keuscheit zubracht /
Diente dem Herrn tag und nacht /
Setzt auff ihn ihr vertrawen:
Drumb ward das Heil ihr offenbart /
Diß ist der rechten Wittwen arth /
Gott wird ihr wolfart bawen /
Sie werden ihn anschawen /
Auff einer grünen Awen /
Selich sind solche Frawen.
  
Arbeitsbuch Lyrik (Broschiert)
von Kristin Felsner,
Holger Helbig,
Therese Manz
Siehe auch:
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Gedichte und Interpretationen: Band 3. Klassi...
Grundzüge der Literaturwissenschaft
Einführung in die Erzähltheorie
Geschichte der deutschen Lyrik
Germanistische Linguistik: Eine Einführung (bach...
 
   
 
     

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